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Schicksale
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Ernst Schlageter (11.12.1887-26.07.1940)

Moderator: Versuchen wir uns an einer Rekonstruktion seines Lebens.

Ernst: Ich werde am 11. Dezember 1887 in Furtwangen geboren, wachse dort mit 11 Geschwistern auf , besuche mit Erfolg die Schule. Ich liebe meinen Beruf als Maurer, den ich anschließend erlerne.

1914 beginnt der "Große Krieg". Nicht so sehr den Kaiser, aber den Großherzog Friedrich II. von Baden verehre ich. Für ihn und mein Badenland ziehe ich in den Krieg und kämpfte an den Vogesen, der Marne und vor Ypern. Meine Eltern machen sich große Sorgen, denn 6 ihrer Söhne stehen im Feld.

Gas in Flandern zerstört meine Lunge. Als Spätfolge kommt eine Nierenschädigung dazu.

Nachdem der Krieg verloren ist, herrscht im Land Revolution. Ich komme kaputt in den Schwarzwald zurück, bin kaum in der Lage, meinen Beruf wieder auszuführen.

Moderator: Der Vater stirbt an einem Schlaganfall kurz nach Ensts Rückkehr aus dem verlorenen Krieg. Am 2. Mai 1926 bricht Ernst auf einer Baustelle zusammen. Sein Herz setzt aus, sein Kreislauf versagt. Das Gehirn wird für einige Zeit nicht mit Sauerstoff versorgt. Doch man kann ihn wiederbeleben. Aber Folgen bleiben.

Ernst: Mein verstorbener Vater steht plötzlich vor mir. Dann sollen mir beide Beine amputiert werden. So kann ich nicht weiterleben.

Moderator: Wegen "Gefahr für sich selbst" bringt ihn der Bruder in die Klinik nach Freiburg. Ärzte untersuchen ihn. Ihre Diagnose: "Schwere Depressionen; katatones Zustandsbild". Bald schon bestehen sie darauf, Ernst in eine "Heilund Pflegeanstalt" zu überweisen. So kommt er im Juli 1926 nach Emmendingen.

Ernst: Emmendingen - ja, ich erinnere mich. Da hat es mir gefallen. Man behandelte mich gut. Es gab zwar keine Maurerarbeiten, aber in der Landwirtschaft. Vor allem mit den vielen Obstbäumen habe ich Freundschaft geschlossen. Ich war ein guter Arbeiter. Mutter und meine Geschwister kamen immer wieder mal vorbei. Warum war Mutter nur traurig?

Moderator: Mehrere Bitten der Mutter, ihn zurück nach Hause zu nehmen, lehnen die Ärzte ab. Sie sind sich unsicher: Die Diagnose schwankt zwischen Hemmung der Motorik ("starr vor Schreck") und Erregungszuständen. Die Eintragungen in der Patientenakte nehmen ab, der Ton wird schärfer.

Ernst: In meiner Akte liest man: "Steht in vollendeter Stumpfheit herum und tut nichts!" Das stimmt nicht! Auch dass ich "albern" sei oder "läppisch", - alles gelogen.

Moderator: 1939 werden Meldebögen ausgefüllt, die Berlin anfordert. Die Anstalt befürchtet, mit Erich und vielen anderen die besten Arbeiter zu verlieren. So schildern sie ihn unaufrichtig: Es bedeutet das Todesurteil. Am 26.7.1940 wird Erich mit 74 weiteren Männern "aus planwirtschaftlichen Gründen" verlegt.

Ernst: Wir fahren mit dem Bus hinauf in den Schwarzwald, meine Heimat, dann hinab in die Baar, wieder geht es hinauf auf die Alb. Eine lange Fahrt.

Moderator: An diesem Tag werden 75 Männern in drei Busse eingepfercht, fahren mehrere Stunden, dann sind sie in Grafeneck, einem abgelegenen Jagdschloss auf der Alb bei Münsingen. Eine Gaskammer in einem Schuppen. 20 Minuten lang strömt Kohlenmonoxyd, ein tödliches Gas. Durch ein Fenster schauen Ärzte zu, wie die Menschen sterben, darunter Erich. Die Leichen werden sofort verbrannt.

Ernst: Erst Wochen später bekommt Mutter einen Brief: "Sehr geehrte Frau! Zu unserem Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass Ihr Sohn Erich unerwartet verstorben ist. Bei seiner unheilbaren Erkrankung bedeutet sein Tod Erlösung für ihn." Meine Eltern fordern die Urne an; ich werde im Familiengrab bestattet, doch ist es meine Asche?

Moderator: Bis vor einem Jahr sprach die Familie nicht mehr über Ernst; unsere Mahnwachen ermutigte den Neffen, um Hilfe bei der Aufklärung zu bitten. Wir recherchierten Ernsts, Schicksal eines von über hundert aus unserer Region.

(Friedrich Engelke und Wolfgang Heitner)


 
 

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