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Schicksale
Schicksale
 

Salomon Bloch (01.01.1856-31.12.1950)

Familie Salomon Bloch war die bekannteste jüdische Familie Villingens in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Zu Opfer: Opfer des NS sind nicht nur die Umgebrachten, sondern auch Geflohene, die überlebt haben (allerdings auch 1 Tochter von S. Bloch umgebracht)

Zur Person
Die Geschwister Salomon und Michael Bloch stammen aus Randegg. Sie hatten 6 weitere Geschwister.

Etwas zu Randegg:

  • Randegg ist ein kleiner Ort im Hegau
  • In Randegg siedelten 1656 die ersten Juden an (in Villingen war das, wie in ganz Baden, erst 1862 erlaubt), weil der Ort einem Freiherrn gehörte, der den Juden die Niederlassung ermöglichte
  • 40% der Einwohner waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts jüdisch (in Villingen lag der Anteil der jüdischen Bevölkerung immer unter 1%)

Salomon Bloch ist Randegg 1856 geboren; er hat 1888 seine Frau Mathilde, die 1861 in Wangen am Bodensee geboren ist, geheiratet. Salomon und Mathilde hatten 6 Kinder (zwischen 1890 und 1902 geboren); die jüngsten 5 (Jenni, Frieda, Hans, Louis und Samuel) sind in Villingen geboren

  • 1892 nach Villingen
  • 1894 Kauf Haus in der Gerberstr.; 1898 Kauf Wohn und Geschäftshaus Niederstr./Ecke Schlösslegasse (1898 Gründungsjahr "Modehaus S. Bloch"); 1900 Kauf Niederstr. 11
  • In den 20er Jahren Kauf von Rietstr. 15 (von 1905 ab war hier ein Kaufhaus mit jüdischem Besitzer: Kaufhaus Schweriner, dann Steinberg), Bloch verlegte sein Kaufhaus hierher
  • Außerdem Besitz in Schwenningen, in Singen und in Randegg
  • Schon 1900 in der Gruppe der Höchstbesteuerten (d.h. er war bei den 9% der Reichsten in Villingen);
  • Bei der Bürgerausschusswahl 1912 auf der Wahlvorschlagsliste der Fortschrittlichen Volkspartei (auch Bernhard Schloß und Louis Schwarz); Listen gab es 1912 von: Centrumspartei - das war vor allem die Partei der Katholiken - , Fortschrittliche Volkspartei, Liberale Partei, Sozialdemokratische Partei
  • Gest. 1950, begraben in Basel
  • Von den 6 Kindern wohnen 1929 5 in Villingen (Tochter Jenny nach Karlsruhe verheiratet - im KZ umgebracht)
  • nach M. Lion war Salomon Bloch Repräsentant der jüdischen Gemeinde in Villingen, und es wird berichtet, dass er auch nach seiner Emigration "als frommer Jude" täglich sein Gebetbuch las.

  • Salomon Bloch war nur wenig in Villinger Vereinen aktiv
    • 1900 Mitglied beim Villinger Kriegerverein geworden, 1.5.1926 sein 25-jähriges Jubiläum (der Villinger Kriegerverein war nach dem Krieg 1870/71 entstanden und sollte die Erinnerung an diesen Krieg wachhalten; der Verein hatte um 1900 in Villingen mehr als 600 Mitglieder); 1876 - 1877 hat Bloch 8.5 Monate seinen Militärdienst ausgeführt (Infanterie)
    • ab 1899 Mitglied im Verschönerungsverein (Pflege von Fußwegen, Bänke, Wegweise) - 1900 hatte dieser Verein 206 Mitglieder

Geschäft
Zuerst im Alleinbesitz von Salomon Bloch; später Söhne John, Louis und Samuel als Mitgesellschafter aufgenommen

1917 gibt es in Villingen:
10 Kleidergeschäfte, darunter 3 mit jüdischen Besitzern:
Bloch, Salomon: Manufakturwaren (Kurz-, Weiß-, Wollwaren), Reisegeschäft
Bloch, Michael: Manufakturwaren (Kurz-, Weiß-, Wollwaren) (fertige Konfektion)
Stern, Martin: Kleidergeschäft (Herren und Knaben)

1924: Salomon Bloch hat 7 Beschäftigte
1929 ca. 25 Beschäftigte
bei der Betriebszählung 1934 hat er 17 Beschäftigte
S. Bloch hatte relativ oft jüdische Angestellte (im Unterschied zu anderen Geschäften mit jüdischen Besitzern: zwischen 1891 und 1920 waren 57 unterschiedliche Personen bei ihm beschäftigt, davon waren 18 jüdische und 39 nicht jüdische)

Gewerbeverzeichnis 1930:
Manufaktur- und Weißwarengeschäfte:
17 Firmen, darunter 4 mit jüdischen Besitzern:
Bloch Gebr., zum Merkur, Niederestr. 43
Bloch, S., Modehaus, Rietstr. 15
Boß Josef, Oberestr. 1
Schwab, Heinrich, Rietstr. 14

NS-Zeit
Zeit an die sich viele Villinger erinnern: man konnte bei ihm auf Raten einkaufen (zB Konfirmationsanzug), er hat immer wieder etwas geschenkt

Umsatz war von 1933 bis 1937 um über 20% zurückgegangen, die Zahl der Angestellten, die nicht Familienmitglieder waren, ging in der gleichen Zeit von 17 auf 14 zurück.

1938 wurde die Firma "arisiert" (d.h. Salomon Bloch musste die Firma an einen nichtjüdischen Besitzer abgeben)
Salomon Bloch war bis zur Auflösung der Firma 1938 in der Firma tätig (82 jährig)

Juli 1938 in die Schweiz ausgewandert (Das Umzugsgut in die Schweiz waren 2 große Möbeltransportwagen).

Villingen, Gebäude Schlösslegasse 2 - in diesem Haus waren im 3. Reich jüdische Personen einquartiert, die in Villingen zur Miete gewohnt hatten und ihre Wohnungen verloren hatten, weil sie Juden waren, bis zur Deportation im Oktober 1940

Für die Häuser und Geschäfte Blochs gibt es verschiedene Interessenten und sie berufen sich teilweise auf Empfehlungen der Kreisleitung der NSDAP und verweisen darauf, dass sie im 1. Weltkrieg Soldaten waren oder dass sie jetzt Soldaten sind, und es gab einige Auseinandersetzungen, wer die Häuser und Geschäfte übernehmen konnte. Es wird auch geprüft, ob die Gebäude für Reichsbedienstete in Frage kommen, aber wegen der Ausgestaltung kämen sie nicht in Frage.

Als 1938 ein Ratsherr aus dem Gemeinderat ausscheidet, der Mitglied der NSDAP ist, sagt der Bürgermeister am Schluss, "Auch diesseits ist bekannt, dass eine Schwägerin des Parteigenossen noch Verkäuferin bei dem Juden Bloch ist."

S. Bloch hatte aus seinen verschiedenen Häusern und Grundstücke bis 1938 beträchtliche Mieteinnahmen. In den Jahren nach der Auswanderung wollte Bloch die Miete von einem Villinger Bürger in seinem Auftrag einziehen lassen, aber ab Juli 1939 wurden die Mieteinnahmen direkt vom Deutschen Reich eingezogen.
1941 sind die Grundstücke "dem Reich infolge der Ausbürgerung" angefallen (Gemäß § 3 der Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25.11.1941)
Mit Rundschreiben vom 20.4.1942 vom Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg an den Oberfinanzpräsidenten Baden wird das Verfahren mitgeteilt:
1. Der Grundbesitz ist dem Reich verfallen; die Zuständigkeit wird auf den Oberfinanzpräsidenten Baden übertragen


Schluss
Mit 94 Jahren in der Schweiz gestorben
Überlebender, aber Opfer - er und seine Familie gehörten nach Villingen; um zu überleben mussten sie emigrieren.

Heinz Lörcher 1.12.2013

Quellen: Archiv der Stadt Villingen-Schwenningen; zur Entschädigung s. Staatsarchiv Freiburg.
Detaillierte Quellenangaben über Heinz Lörcher


 
 

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